Neu Geschrieben

Wir wohnten in einem Haus, irgendwo in der Pampa. Ich wurde frühs von meiner Mutter geweckt, frühstückte, ging in die Schule. Kam nach Hause, machte meine Hausaufgaben und wurde dann von meiner Oma abgeholt und zu meiner tante gebracht. Wir haben meine Hausaufgaben kontrolliert, kochten miteinander, lernten… Meine Tante wusste viel… Sie hat mir über den Krieg erzählt… Sie hat mir Mathe beigebracht, schwimmen… Abends holte mich meine Mutter wieder ab, wir fuhren nach Hause zu Papa und meinen und Hund und dem Vogel. Irgendwann starb Coco, der Vogel. Einfach so. Ich hing sehr an ihm, denke heute noch an ihn.
Und auch irgendwann wachte ich Nachts auf und schrie nach meiner Mutter. Sie hörte mich nicht… Die Küchentüre war zu und meine Eltern schrien sich an.
Nach dem Streit ging alles sehr schnell… Meine Eltern liesen sich scheiden, das Jugendamt fragte mich mindestens 2 mal wo ich wohnen will. Ich entschied mich bei meiner Mutter zu bleiben. Ich konnte ihr ja nicht weh tun, und sagen ich will zu meinem Papa ziehn. Ausserdem war Papa sehr selten zu Hause. Wir sind umgezogen. In eine kleine 2-Zimmer-Wohnung. Meine Mutter lernte sehr schnell einen neuen Mann kennen. Er hieß Ringo und war eigentlich ganz nett. Er spielte mit mir. Er hat mir sogar eine Puppe gekauft. Wir haben zusammen am Tisch gegessen. Haben gekocht. Er war nur am Wochenende bei uns. Über der Woche hat er bei sich gewohnt. Ab und zu am Wochenende bin ich zu meinem Vater. Da haben wir auch wieder gespielt und mein Papa hat mir mein Lieblingsessen gemacht.
Irgendwann fing ich an in der Schule schlechter zu werden. Meine Noten wurden miserabel und ich war frech. Frech zu meinen Lehrer, meinen Eltern. Ich bekam Hausarrest und wurde geschimpft. Wurde zum Lernen verdonnert. Ich hatte noch nie Hausarrest. Darum stellte ich mich auf stur, ich wollte kein Hausarrest haben.
Mein Vater holte mich seltener ab, weil er eine andre Frau fand. So also war ich Wochenends öfter zu Hause. Ringo war jetzt auch unter der Woche ab und zu da und er hatte schon einige Klamotten hier. Mich störte es nicht, ich kam gut mit ihm klar.
Ich weiß nicht mehr den Übergang genau. Ich weiß nur, dass ich meinen Vater noch seltener sah als bisher. Ich wurde noch schlimmer. Schlimm in der Hinsicht, das ich mich nicht ganz an die Regeln hielt. Ich bekam fürs Widersprechen eine Ohrfeige. Ich musste im Zimmer essen. Ich bekam immer die Reste vom Vortag zu essen. Das was übrig blieb.
Abends irgendwann kam Ringo und Mama ins Zimmer. Ich hab geschlafen und durch das schreien meiner Mutter wurde ich wach gerissen. Sie schrieen mich an, warum ich das Wohnzimmer nicht richtig saugte. Ich find an zu weinen. Ich hab es vergessen. Sie schrieen mich weiter an und ich bekam wieder eine Ohrfeige. Irgendwann beruhigten sie sich. Und Ringo sprach mit mir über meinen Vater. Er meinte, würde mich mein Vater lieben, würde er sich viel mehr um mich kümmern. Dann würde er am Wochenende kommen und mich abholen. Aber ich müsse selber auf den Gedanken kommen, ob ich den Kontakt abbrechen sollte. Er meinte „irgendwann machts in deinem Hirn –klack- und dann sagst du du willst keinen Kontakt mehr haben“. Eine Woche später habe ich den Kontakt abgebrochen. Ich saß ihnen dauernd am Leib. Hatte selten noch nicht Hausarrest. Für jede Minute die ich zu spät kam bekam ich eine Woche Hausarrest. Ich hatte eine gewisse Zeit um von der Schule nach Hause zu kommen. War ich zu spät gab es Hausarrest. Hatte ich kein Hausarrest musste ich pünktlich um 6 Uhr zu Hause sein. Weil es ist ja nicht möglich, das man sich auf sein Kind nicht verlassen kann. Was ist, wenn man weg will und das Kind kommt unpünktlich von zu Hause heim. Recht hatten sie schon. Aber ich kam selten 15 Minuten oder 30 Minuten zu spät. Lediglich maximal 5 Minuten. Was dann auch hieß 5 Wochen Hausarrest. Und kam ich nach der Schule in den Hausarrest-Wochen zu spät nach Hause wurden die Minuten eben dran gehangen.
Ringo fing irgendwann an Alkohol zu trinken. Anfangs noch relativ wenig, aber täglich. Er wohnte ja jetzt schon bei uns. Zwar nicht mit Mietvertrag und so. Aber immerhin. Meine Tage gingen so weiter.
Bis er Anfing mehr zu trinken. Er trank 5-6 Bier pro Tag. Ich musste dann nach der Schule gleich in mein Zimmer, weil mich, das nichtsnutzige Ding, brauchte man nicht, wenn man ja nicht, während man die Wohnung sauber macht. Ich fragte auch nicht, ob ich irgendwas helfen konnte. Ich fragte lieber, ob ich raus darf. Hatte ich Hausarrest blieb ich in meinem Zimmer und verbarrikadierte mich hinter Schulbücher und tat so, als würde ich lernen. Meist schrieb ich einen Brief an meine Freundin. Abends, als meine Mutter von der Arbeit kam fing Ringo an zu trinken und der Streit fing an. Sie stritten darüber, das ich nur daran denke raus zu gehen. Das ich nicht auf die Idee komme zu fragen, ob ich ihn helfen könne. Er schrie meine Mutter an, das ich doch mal Prügel bräuchte. Meine Mutter tat es nicht.
Solche Streitereien gingen des öfteren und des längeren so.
Ich zwang mich zu schlafen, denn ich wollte den Streit nicht hören. Ich konnte ja nichts dafür, ich wollte doch nur meinen Freiraum genießen.
Ich wachte irgendwann Nachts auf, weil Glas klirrte. Ich hörte meine Mutter schreien, dann weinen. Ich hörte Ringo sagen sie solle sofort die Scherben aufheben, es täte ihm Leid. Es passiere nie mehr. Sie weinte. Machte, was er sagte. Ich zwang mich zu schlafen. Ich musste schlafen, ich war nicht dran Schuld. Sie streiten sich nicht wegen mir. Ich musste mir einreden, nicht Schuld zu sein. Bis dahin glaubte ich mir sogar.
Am nächsten Tag hatte meine Mama ein blaues Auge und die Türe zwischen Gang und Wohnzimmer war entglast. Ich fragte sie, was passiert sei. Ich tat so, als wäre ich nicht wach gewesen. Sie sagte sie hätte nicht gesehen, dass die Türe zu sei und ist dagegen gerannt. Ich sah sie fragend an und sie wusste dass ich ihr nicht glaubte. Sie sagte aber nichts mehr dazu.
Der Glasschaden wurde auf den Hund geschoben, welcher bei meiner Oma mittlerweile wohnt. Angeblich sei der Hund dagegen gesprungen. Die Haftpflicht zahlte.
Eine Zeit später bemerkte ich wieder das sie stritten, ich wollte schlafen, ich zwang mich zum schlafen. Ich konnte nicht schlafen. Ich hörte wieder dass sie über mich stritten. Darüber das ich keine Disziplin habe. Darüber das man mir nur noch mit Gewalt Disziplin beibringen könne. Meine Mutter kam ins Zimmer gestürmt… Sie machte Licht an, schrie ich solle mich ausziehen. Ich wusste nicht was kam, aber ich wusste ich musste dass ich Angst haben musste. Meine Mutter trampelte in die Küche. Schmiss da Sachen um. Trampelte in mein Zimmer zurück. In der Hand… Ein Kochlöffel… Ich sollte mich auf den Bauch legen. Meine Bettdecke weg legen. Ich vergrub mein Gesicht im Kissen. Und spürte gleich darauf hin einen ziehenden Schmerz an meinem Arsch. Ich schrie. Mama schrie. Ringo sah zu. Ich schrie weiter, strampelte, legte meine Hände schützend über meinen Arsch. Sie schlug mir auf die Finger. Schrie ich solle meine Hände wegnehmen und nicht so schreien. Ich konnte nicht. Sie schlug weiterhin auf mich ein. Immer mit den selben Worten: „Du bist selber Schuld, du könntest ein wunderschönes Leben haben, würdest du gehorchen.“ Sie hatte keine Kraft mehr. Sie lies von mir ab. Ich weinte. Sie befahl mir, ich solle aufhören zu heulen. Ich konnte nicht. Sie verliesen das Zimmer. Ich weinte weiter. Ich schlug auf mein Bett ein. Bis ich schlief. Unruhig schlief. Immer wieder wachte ich auf. Irgendwann wachte ich auf weil meine Mutter meine Backe streichelte… Sie saß vor meinem Bett. Ich sah sie an. Fragte sie was sie wolle. Sie sagte dass es ihr Leid täte. Sie wäre so sauer auf mich gewesen.
Das sie mich verprügelte passierte immer häufiger. In der Woche wenn es viel war 4 mal. Es gab mehrere Gründe. Einmal, weil ich nicht die Maßen von Aufgaben erledigt habe, andermal weil ich die Maßen von Aufgaben zwar erledigt habe, jedoch nicht ordentlich genug. Oder weil ich mein Mittagessen nicht gegessen habe und es im Zimmer verschwinden habe lassen. Oder weil sie das Brot von der Schule gefunden haben.
Dafür bekam ich dann manchmal kein Mittagessen. Irgendwann bekam ich kein Brot mehr in die Schule.
Meine Oma und meine Mutter haben sich zerstritten. Meine Oma wusste, was bei uns war. Nicht alles, das meine Mama und ich geschlagen wurden, wusste sie nicht. Aber sie wusste die Umstände zum Thema „essen“ bei mir recht gut. Also kam sie zur Schulpause oft vorbei und brachte mir Kuchen oder Brot oder sonstiges zu Essen, was ich dann zu Hause versteckte. Ich fand immer mehr verstecke. Meine Mutter leider fand sie auch. Aber ich wurde immer kreativer.
Wenn es nichts zu essen gab, gab es keine Schläge. Also war ich oft froh, kein essen zu bekommen. Ich hatte ja das von meiner Oma zu essen.
Irgendwann zogen wir wieder um. Diesmal in eine 3-Zimmer-Wohnung. Jedoch immer noch nicht mit Ringo zusammen. Er zog aber so gut wie mit ein.
Ich musste anfangs bei meiner Oma schlafen, weil die Wohnung noch nicht einzugbereit war. Das war recht schön, bei ihr zu schlafen. Regelmäßig Früh-, Mittag- und Abendessen. Und wenn ich wollte konnte ich auch mir so was zu essen machen. Ich konnte in die Küche wann ich wollte. Ich konnte raus, wann ich wollte. Ich hatte bei meiner Oma wieder die Freiheiten, die ich früher hatte.
Doch es kam auch wieder die Zeit, in der ich zu meinen Eltern zurück bin. Sie versprachen mir, dass jetzt alles besser werde. Das sie mir meine Freiheiten zurück gäbe. Jedoch, Ringo trank weiter Alkohol. Und ich habe es nicht auf die Reihe gebracht sauber zu saugen, oder Geschirr aus der Maschine zu räumen. Jetzt hatte ich noch andre Bestrafungsmethoden bekommen. Hatte ich nicht richtig geputzt musste ich mit der kleinen Handbürste den Boden putzen. Bis er weiß war. Ich habe es nie bis zum Ende geschafft. Er war danach nie richtig weiß. Ich musste es immer Abends machen, dann wenn Ringo besoffen war. Und wenn ich es an einem abend nicht sauber hatte, musste ich am nächsten Abend von vorne beginnen. Es war, als wäre ich gefangen, gefangen in Sklavenarbeit. Ich bekam mein Essen, je nach dem wie ich meine Arbeit machte. Je nach dem wie ich mich verhielt.
Freitags war Klo-Putz-Tag. Ich musste das Klo putzen. Es wurde auch immer nach kontrolliert. War irgendwo noch ein Fleck hieß es. Noch einmal. Also putzte ich noch einmal. Ich putze manchmal den ganzen Tag das Klo zig mal, weil er immer wieder neue Flecken fand.
Irgendwann sperrten sie die Küche ab, weil ich Nachts in die Küche bin, und mir essen machte. Ich musste unterm Tag fragen, ob ich die Küche, Wohnzimmer und Abstellkammer betreten durfte. Ich wusste aber, welcher Schlüssel in die Küche passte. So habe ich mir immer auf Vorrat was zu essen geholt. Nicht viel, aber so viel, das ich weiß, würde ich wieder nichts zu essen bekommen könnte ich mich selbst versorgen. Das fanden sie irgenwann heraus. Und das gab wieder Ärger. Kein essen und Schläge…
Ich musste Abends um 6:00 Uhr Getränke holen… Irgendwann, ging ich hinunter… Habe Getränke holen wollen. Bier um genau zu sein. Die Tür vom Kellerflur ging auf, und ich sah nach, wer es war. Es war mein Nachbar… Er grinste mich an… Stand an der Tür… Und fragte… „Mogst du mi?“ Ich wusste keine Antwort darauf… Er fragte noch einmal „Mogst du mi?“. Ich sagte leise „ja“… Er hatte es nicht verstanden und fragte noch mal nach… ich sagte lauter „ja“… Er grinste dumm. Kam zu mir und wollte unter mein T-Shirt… Ich schubste ihn weg. Er kam wieder. Schmiss mich zu Boden. Ich strampelte. Wollte das er weggeht. Er ging nicht weg. Er drückte mich zu Boden. Ich wollte schreien. „Nicht schreien.“ Er zog meine Hose runter. Meine Unterhose. Sah das untere an. Machte seine Hose auf. Zog sie runter. Sein unteres war steif. Ich sah ihn an. Er sah mich an. Stieß das steife etwas in mich. Hielt meinen Mund zu. Ich wollte schreien. Ich hatte Schmerzen. Nach ewiger Zeit lies er von mir ab. Zog seine Hose wieder an. Und ging. Ich lag noch kurz da. Dachte nach, was passiert ist. Es war keine Vergewaltigung. Es konnte keine Vergewaltigung sein. Mich trifft das nicht. Es ist ja schließlich mein Nachbar. Außerdem, ich habe mich nicht gewehrt. Ich habe nicht Nein gesagt. Also wollte ich es. Ich kam zu Sinnen packte schnell die Getränke und bin hoch gelaufen. Ich verhielt mich, als wäre alles normal. Als wäre nichts passiert. Ich war froh, das Ringo nicht nachfragte, warum ich so lange im Keller war. Ich stellte die Getränke vor den Abstellraum und verschwand in mein Zimmer und vergrub mich in lernen. Ich dachte nicht weiter nach, was das sollte. Ob es rechtens war. Es störte mich nicht. Es ist passiert. Ich hab Gefühle ausgeschalten. Der Alltagstrott ging weiter. Ich wurde in der Nacht nicht geschlagen. Jedoch habe ich sehr unruhig geträumt. …

26.7.07 12:24

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